Urban Strategies
Rainer Pirker
Stadtplanung ist in ihrem 100-jährigem Bestehen als spezialisiertes Fachgebiet vermehrt zu einer rein technischen Disziplin verkommen. Formelle und informelle Entwicklungen sind zwei Pole urbaner Realität. Masterpläne sind die Basis formeller, Selbstorganisation jene informeller Entwicklungen. Beide weisen Potentiale und Probleme auf. Ein Potential formeller Entwicklung liegt in der Schaffung von Identitäten, ohne dabei Identitätspotential informeller Entwicklung auf einer ganz anderen Ebene zu verneinen. Masterpläne intendieren kontrollierte Entwicklungen, die oft all zu sehr einschränken. Gegensätzlich orientierte, hochwertige architektonische Ausformulierungen werden damit unmöglich. Welche Potentiale liegen in „Idealstadt" Modellen? Wie haben ihre sozialen Visionen spätere soziale und kulturelle Entwicklungen beeinflusst? Mit Fragen dieser Art soll im Rahmen von Vorlesung und Übung der urbanen Strategien eine Bewusstsein für die Herausforderungen städtischer Entwicklung gefördert werden. Die Lehrveranstaltung wird durch eine Reihe von Gastvorträgen aus den Bereichen Stadtplanung, Landscape Urbanism, Soziologie, Mathematik und Komplexitätsforschung, u.a. bereichert.
Wenngleich sich die Rahmenbedingungen stark geändert haben und Probleme gängiger Stadtplanung bekannt sind, hat sich an dieser Praxis kaum etwas geändert. Vor dem aktuellen Hintergrund der Komplexität rasanter Urbanisierungsprozesse sind daher urbane Strategien von besonderer Bedeutung.
Flexibilität ist eine besondere Qualität informeller Entwicklung. Wo liegen die Grenzen beider Entwicklungssysteme? Ist der Erfolg selbst organisierender Strukturen an maßstäbliche Beschränkungen der Einzelentwicklung geknüpft?
Unter welchen Voraussetzungen ermöglichen urbane Strukturen evolutionäre Entwicklungen?
Erlauben „Idealstädte" evolutionäre Veränderungen?
Wie kann eine Balance zwischen Kontrolle und Freiheit gefunden werden?
Wie kann die Struktur auf unerwartete Anforderungen reagieren?
Können formelle und informelle Entwicklungen überlagert werden?
Welche Rahmenbedingungen haben selbst organisierende Strukturen?